PRESSESTIMMEN - Ursli & Toni Pfister in: Servus Peter Oh là là Mireille
Schlagerrevuen sind ja an sich nichts Besonderes. Aber hier scheinen die Interpreten, die zugleich Parodisten und Liebhaber sind, auf kaum erklärbare Weise aus ihren nur unvollkommen verhüllten Identitäten in die Gestalt der Dargestellten zu schlüpfen. Obwohl Tobias Bonn kein Wienerisch spricht, ist er am Ende Schmäh und Sentimentalität pur, räumt ab mit dem "Badewannen-Tango" und seinem "Weißen Rössl", ist zwinkernder Lausbub und Gemütsschweinderl im gleichen Moment. Er macht es uns schön, wo "es doch so viel Schlimmes auf der Welt gibt". Durchhalten und abtauchen in den Kitsch, der trotzdem rührt.Und Christoph Marti, von St. Gallen bis Berlin inzwischen öfters im Fummel statt mit muskulösem Oberarm zu erleben, scheint trotz seiner tiefen, schnarrenden Stimme wie der Kristall zu klirren, den der Original-Spatz von Avignon offenbar im Hals hat. Die einstudiert übergroße, fast hilflos im Nirgendwo endende Mireille-Gestik hat er genauso perfekt drauf wie das fischartige nach Luft Schnappen vor dem Mikro. […] wir hören dabei die Zeit rieseln, zerfließen nostalgisch und lassen es zu, diesen charmanten Schwachsinn plötzlich aufrichtig zu mögen. Weil er, freiwillig oder nicht, Teil unserer Biographie geworden ist, in uns klebt, weil er unverwechselbar ist. Darin liegt die Genialität selbst des allerdümmsten Schlagers. Hat man es begriffen, dann kann man sich so richtig gehen, sich von diesem Abend tragen lassen. In dem Heintje, Roy Black und Anneliese Rothenberger sekundieren, der so mache verschüttete Schlagerperle hebt und der uns ein Wien/Paris-Medley beschert. "Geh, bevor die Nacht beginnt", singen die beiden als vorletzte Zugabe. "Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich einmal hier stehen würde", sagt der falsche, inzwischen tote Peter. Da ist die Doppelbödigkeit diese Show eindeutig geworden. DIE WELT, Manuel Brugg, 20.5.2011
… Was den Abend so groß macht, ist der kluge Verzicht auf jeglichen Zusatzklamauk: Bonn und Marti haben ganz genau hingeschaut, imitieren die Gestik der Vorbilder virtuos - und beschränken sich im Übrigen darauf, die Songs durch jene Art von Gaga-Moderationen zu verbinden, wie man sie aus den Sendungen erinnert, für die man ja immer "eine gehörige Portion Humor" mitzubringen hatte. Ganz großes Pantoffelkino sind auch die Kostüme von Heike Seidler: Peter trägt Dreiteiler zum hellblauen Smokinghemd, Mireille fährt vom kleinen Schwarzen mit weißem Jungfernkragen bis zum Federboa-Traum in Türkis gleich ein halbes Dutzend atemberaubend authentischer Gruselfummel auf. Und dann sind da ja noch die Überraschungsgäste, Christoph Bonn als Anneliese Rothenberger, Christoph Marti als Heintje - und Roy Black: "Du bist nicht allein", schnulzt er, das stilsichere Jo-Roloff-Trio lässt Rumba-Rhythmen pulsieren, ein E-Piano wimmert, sanft schubbert der Schlagzeugbesen übers Trommelfell. Kollektive Gänsehaut. DER TAGESSPIEGEL, Frederik Hanssen, 19.5.2011
… Unglaublich, wie die beiden sich die Körpersprache und kleinen Ticks der Schlagerstars abgeguckt und verinnerlicht haben. Unglaublich auch, wie man diese nach gut 40 Jahren immer noch wieder erkennt.
Berliner Morgenpost, Peter Zander, 20.5.2011
… in Wirklichkeit besteht [das Programm] aus Träumen und Tinnef, Herz und Schmerz, Kitsch und Quatsch - inhaltlich aus lauter grobem Unfug also, wenn man's recht bedenkt. Trotzdem entwickelt sich daraus ein weites, buntes Spektrum an positiven Energien, die Kategorien wie Sinn und Unsinn beschwingt außer Kraft setzen, weshalb man nur milde lächelt und leise mitsummt, selbst wenn da einer dämlich vor sich hinträllert: "Komm mit und steck' dir deine Sorgen an den Hut, / dann wirst du sehen bald ist alles wieder gut!" […] Ursli schlüpft nicht nur in den Habitus und unter die Perücke von Mireille Mathieu, sondern er scheint die Lieder wie ein Wahlverwandter geradezu aus sich heraus zu erschaffen. Er ist auch ein hinreißend schmalziges Double von Heintje oder Roy Black, doch als Spatz von Avignon mischt er auf bizarr - amüsante Weise Trash und Tragödie und kennt mit seinem tolldreisten französischen Akzent kein Pardon. Bei ihm gewinnt die Show eine eigenständige Qualität in Sachen Imitation und Intensität. Berliner Zeitung, Irene Bazinger, 20.5.2011
Musik vereint. Im Guten wie im Schlechten. Und so geht der Spaß manchmal mit beklemmenden Erinnerungen einher, wie man Mittwochabend bei der umjubelten Premiere "Servus Peter - Oh là là Mireille" der Geschwister Pfister in der Bar jeder Vernunft erleben konnte.
BZ, Michael Zöllner, 19.5.2011
Der Abend ist vorzügliche Unterhaltung, unterhaltend und entlarvend zugleich, oft zum Schreien komisch. Aber er ist weit mehr als das, nämlich vor allem eine gnadenlose Analyse nicht nur der beiden Figuren, sondern des Showgeschäfts insgesamt, des Unterhaltungsbetriebs, in dem oftmals alles inszeniert, alles unecht ist, wo Gefühle und Emotionen transportiert werden sollen und wo hinter der Fassade doch oft nur eine erbärmliche Verlogenheit herrscht. Ein Abend - unterhaltend und entlarvend zugleich. Großartig. Was will man mehr! kulturradio Andreas Göbel, 19.5.2011
Kabarett vom Feinsten: Märkische Oderzeitung, 20.5.2011 |