Berner Zeitung - Montag, 29. Juni 1998

Sternstunde des Sauglattismus

Geschwister Pfister in der Kaserne


"Party heut nacht" heisst die Best-of-Vorstellung der Geschwister Pfister, des bekannten Kabarettisten- und Sänger-Trios. Die Show ironisiert und zelebriert zugleich: Showbiz und Schlagerszene, die Jodler und die Beatles. Das Publikum in der Basler Kaserne war begeistert.

Basel. Freitag abend, fünf vor acht: in die bereits überfüllte Reithalle des Kasernenareals werden Klappstühle getragen. Wenig später taucht (endlich, bejubelt) Ursli Pfister auf, der wohl amerikanischste aller Schweizer ("my hobbies are Körperflege and Clark Gable"). Er lässt sein fast perfektes Amerikanisch spielen und sucht verzweifelt sein Beauty Case. Das hat sein Bruder Toni, der in seinem Cordhosenanzug eher helvetisch erscheint und auch ein bisschen der Trottel ist, irgendwo stehen lassen - wahrscheinlich. Zu den beiden gesellt sich das Fräulein. Das Fräulein heisst mit vollem Namen Fräulein Schneider und ist ein "semitragisches Asylantenschicksal aus Sowjetbulgarien", wurde dann von Toni Pfister geheiratet und backt seither glücklich und tagelang Krapfen.

Natürlich weiss jeder, dass das alles nicht stimmt. Ursli. Pfister heisst im richtigen Leben Christoph Marti, ist Berner und flitzt auch gerne splitternackt im Fernsehen herum. Sein Bruder Toni ist auch nicht sein Bruder, heisst Tobias Bonn und ist Berliner (soll mal einer sagen, Deutsche könnten nicht Schweizerdeutsch lernen). Nur das Fräulein heisst tatsächlich Schneider. Und sie hat auch einen richtigen Vornamen: Andreja. Was ja tatsächlich bulgarisch sein könnte.

Musik im Mittelpunkt
Die Show der Pfisters ist eigentlich eine "Party" (so Ursli). Das Trio erzählt Geschichtchen aus dem (imaginären) Privatleben, es wird gesoffen, geraucht und gelacht, Champagner und Joint teilen sich die drei mit dem Publikum. Im Mittelpunkt aber steht die Musik. Das Repertoire der Pfisters reicht von "Nach em Räge schiint d'Sunne, dulidulidu" über das "Weisse Rössl" bis zu den Beatles - und jodeln können die drei auch. Musikalisch hervorragend begleitet werden sie vom Jo Roloff Trio, das leider sehr im Hintergrund steht.

Gemeinsam ist allen musikalischen Versatzstücken die Interpretation: die Pfisters parodieren und zelebrieren zugleich mit umwerfendem Humor. Und den haben sie nicht nur beim Singen: der schneidende bulgarische Akzent des Fräuleins, Urslis Narzissmus und Tonis Tapsigkeit sorgen für tausendfache Lacheffekte. Am Ende der Show ist Ursli besoffen, bekifft und - Gott weiss womit - betäubt und beginnt am Mikrofon zu lutschen (was denkbar seltsame Geräusche verursacht). Das Fräulein reisst dem Beau letztendlich das Mikro weg: "Ne - das ist nicht das, was du denkst!"

Eigenartiger Humor
Natürlich ist das alles kilometerdick aufgetragen und jeder Witz hundertfach wiederholt. Das macht diese Art Humor aus. Es gibt Leute, die lässt das Ganze relativ kalt. Die meisten aber krümmen sich ob solcher Szenen vor Lachen. In der Pause dann werden "Souvenirs" verkauft: CDs, Videos, Postkarten, Zündholzschächteli. Der Andrang ist enorm. Und wer davon nichts will, erhält an der Bar für satte zehn Franken einen Becher von "Ursli Pfisters Liebessaftbowle". Die Pfisters sind eben nicht einfach eine Gruppe. Sie sind Kult. Und an diesem Freitag abend hat sich Pfisters-Fan-Gemeinde Basels in der Reithalle versammelt. Wer auf diesen Brechstangen-Humor nicht anspricht, sollte sich die Pfisters lieber nicht ansehen. Der Saal aber hat getobt, und erst nach drei Stunden und fünf Zugaben durfte das Trio unter "Standing ovations" die Bühne verlassen.

Nina Stössinger



Stand: 17.06.2007
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