Basler Zeitung - Montag, 29, Juni 1998 - Nr. 148 - Teil III - Basel-Stadt.

Geschwister Pfister: "Das Beste vom Besten"


Zweimal ausverkauftes Haus für die Geschwister Pfister, die am Freitag und Samstag in der Kulturwerkstatt Kaserne mit ihrem "Best of"-Programm beim Publikum Begeisterungsstürme auslösten. Vom kongenialen Jo Roloff Trio begleitet, erwiesen sich die Geschwister Pfister einmal mehr als unnachahmliche Entertainer der Spitzenklasse. Nach dem Exil-Kuppel-Konzert vom Samstag stieg im "Goldenen Fass" eine Pfister-Party.

Begeisterten das Publikum In der Kaserne: Ursli Pfister, Fräulein Schneider, Toni Pfister.
Ein Raunen ging durch die Menge in der - bis auf den letzten Stehplatz ausverkauften - Reithalle der Kaserne, als Kuppel-Chef Simon Lutz das Ausbleiben der Stars des Abends bekannt geben musste. "Im Hotel sind die Geschwister Pfister nicht zu erreichen, hoffentlich sind sie nicht vom Blitz erschlagen worden", meinte Lutz in Anspielung auf das heftige Gewitter, das kurz zuvor über Basel niedergekommen war.

Mit dem Helikopter
Doch dann war Helikopterdröhnen zu hören, und schon eilten Ursli und Toni Pfister samt Fräulein Schneider und zwanzig Gepäckstücken in die Reithalle. Bei der Teestunde des französischen Kulturattaches in Paris hätten sie glatt ihren Auftritt in Basel vergessen, entschuldigte sich Ursli Pfister, der ob all dieser Hektik nicht einmal mehr sein Beautvcase finden konnte. Während Fräulein Schneider den von ihr selbst nach Basel geflogenen Helikopter mit Brachialgewalt zum Stillstand brachte, war es wieder einmal der besonnene Toni, der dafür sorgte, dass die Show doch noch beginnen konnte. Der Eröffnungs-Song "Let's have a party" - das Titellied des neuen Programms folgte zwar erst im zweiten Teil - und die glamourösen Kostüme lagen noch in den Koffern, doch als die Geschwister Pfister ihre "Servus, Grüezi und Hallo" durch die Halle schmetterten, war aller (inszenierte) Unbill vergessen.

Affäre mit Mutter
Niemand erzählt unglaubliche Geschichten so augenzwinkernd ernsthaft wie die Geschwister Pfister. Niemandem anderen würde man abkaufen, dass die Stargeigerin Anne-Sophie Mutter, in heftiger Leidenschaft zu Tom Pfister entbrannt, unter dessen Hotelzimmer so lange fidelte, bis Tonis Frau Fräulein Schneider (Vorname "Fräulein") bestimmt und wortgewaltig eingriff und die "Mutti" zur Räson brachte. Und wenn Ursli charmant das Publikum einsülzt: "Ihr seid meine Familie, jedes Mal, wenn ich in die Kaserne komme, fühle ich mich zu Hause", schlagen die Herzen seiner männlichen und weiblichen Fans höher - Lüge hin oder her. Wie er dann auch noch sein "Amore" schmachtend vorträgt, stellt er selbst sogenannte Startenöre wie Andrea Boccelli glatt in den Schatten.


Danach: Party im "Goldenen Fass" - Fotos Pino Covino
"Blue Bayou"
"Let's have a party" ist kein eigentlich neues Programm, sondern schlicht "das Beste" aus sieben Jahren Geschwister Pfister. Und da bei den Pfisters fast alles gut ist, fiel die Auswahl nicht leicht. Da fehlt selbstverständlich die "Jodel-Polka" nicht, mit der die Geschwister Pfister schon als siegende Kinderstars bei Onkel Bill im fernen Las Vegas Furore machten. Sogar das Lied aus der Operette "Im Weißen Rössl", mit deren eigenwilliger Inszenierung das Trio in Berlin brillierte, die aber leider hierzulande nie zu sehen war, bekam das begeisterte Publikum zu hören. Ein weiterer, Höhepunkt: "Blue Bayou" in der Dschungel-Version von Ursli, im behäbigen Schwyzerdütsch von Toni und als "Cevapcici Blues" von Fräulein Schneider gesungen. Dass die Geschwister Pfister aber auch leisere Töne perfekt beherrschen, bewiesen sie mit dem Lied "Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt" und einem ebenso perfekt wie liebevoll vorgetragenen Jodel. Das Publikum in der kochenden Reithalle entliess die beiden Trios erst nach drei Stunden und fünf Zugaben mit einer Standing ovation.

Eine spezielle Party
Nach dem Konzert vom Samstag organisierte die Kuppel im "Goldenen Fass" eine spezielle Pfister-Party. DJ Angelo legte Hits aus den siebziger und achtziger Jahren auf, und die erschöpften Geschwister Pfister konnten sich endlich mit einem Drink erfrischen.

Raphael Suter



Stand: 17.06.2007
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