Berliner Zeitung, 12.05.1995 - Sieg in neuen Uniformen
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Die Geschwister Pfister begeistern mit dem "March for Glory"
In der Unterhaltungsbranche tobt ein Krieg. Die Schweizer Waisenknaben Ursli und Toni Pfister und das bulgarische Fräulein Schneider haben die Zeichen der Zeit erkannt und sich für den Marsch durch die Höhen und Tiefen des Showbusineß zu einer militärischen Abteilung formiert. Die bestechend schönen Uniformen für ihr neues Programm "March for Glory" ließen sie bei Edelschneider Günter Adam arbeiten. Zur Premiere am Mittwoch abend paradierten die Geschwister Pfister zum ersten Mal in diesem Aufzug. Die Operation war ein Sieg auf der ganzen Linie. Wieder und wieder mußten Major Ursli, Lieutenant Toni und Captain Schneider am jauchzenden und jubelnden Publikum in der "Bar jeder Vernunft" vorbeidefilieren. Die Geschwister Pfister sind zum Schießen, obwohl sie kein schweres Geschütz auffahren. Ihre Waffen sind intelligenter Witz, liebenswürdiger Charme und kunstvoller Gesang. Sie haben eine so korrekte Haltung, so schöne Stimmen und so frische Gesichter, sie sind so nett - und doch wird man das erwartungsfrohe Gefühl nicht los: Sie könnten auch ganz, ganz gemein sein. Doch das Geplauder auf der Bühne geht über harmlose Alltäglichkeiten kaum hinaus. Die Fangemeinde der Geschwister erfährt, daß Toni und Fräulein Schneider kürzlich in Zermatt geheiratet haben, und zum ersten Mal wird das Geheimnis um den Vornamen der Braut gelüftet. Fräulein Schneider heißt: Fräulein. Ursli muß natürlich erzählen, wann und wo er seinen Hang zum Luxus entdeckte und wie es kommt, daß er seit kurzem von Kosmetikartikeln der Marke "Chanel" Pickel kriegt. Vor allem aber sind die Geschichten ohne richtige Pointe dazu da, die hinreißenden Gesangsparodien der Geschwister Pfister miteinander zu verbinden. Parodie ist eigentlich nicht das rechte Wort, denn die Kunst der drei besteht darin, komisch zu sein, ohne zu übertreiben. Jede Geste sitzt, jeder Ton stimmt. Begleitet vom ebenbürtigen Jo Roloff Trio imitieren die Geschwister Pfister den Swing so genau wie den Schnadahüpferl und den Hippie-Sound. Sie können "When I'm sixtyfour" und "Sweet Nothing" so überzeugend vortragen wie "Stardust" und "Blue Bayoo". Auch wenn sie sich nach der Pause in glitzernder Abendrobe und schrillen Sambakostümen präsentieren, wird die wohltemperierte Stimmungslage nicht gestört. "March for Glory" ist eine witzige Parade auf dem schmalen Grat zwischen gutem und schlechtem Geschmack.Constanze Treuber Mit wenigen Unterbrechungen bis zum 11. Juni, Mi-So, 20.30 Uhr. +++ Von Constanze Treuber |