Berliner Zeitung 6.12.02
Die Klaviatur des AbschiedsDie Geschwister Pfister präsentieren Kitsch und Albernheiten Von Uta Falck Have a ball!" sei das "teuerste Programm der Welt", behauptet Fräulein Schneider von den Geschwistern Pfister. Ursli Pfister sekundiert mit der Ankündigung von "Finest first class entertainment". Die Bühne wird dementsprechend glamourös umrahmt von geschwungenen Notenlinien, es gibt eine kleine Showtreppe und eine Bar. Vierzehn Musiker, darunter zehn Blechbläser, wurden in das von Stefan Prattes geschaffene Bühnenbild integriert - so wähnt man sich fast in einer Fernseh-Show. "Große Abschiedsgala" heißt der Untertitel des Programms. Muss das Tipi schon wieder abgebaut werden? Oder wollen sich die Pfisters trennen? Wird Ursli demnächst nur in seiner Solo-Show als Ursula West und Fräulein Schneider in Film und Fernsehen zu sehen sein? Und Toni, will der sich etwa aufs Managen beschränken? Aber keine Sorge. Mit dem Wörtchen "Abschied" persiflieren die Pfisters eine Masche der großen amerikanischen Stars wie etwa Tina Turner und Barbra Streisand, die bereits jahrelang ihre Tourneen als endgültig letzte deklarieren. Als Kitsch-Liebhaber genießen sie natürlich auch die Gefühle, die sie auslösen, wenn sie auf der Klaviatur des Abschiedsschmerzes spielen. Und da die Trennung in aller Freundschaft geschieht, bleiben diesmal auch die Familienstreitigkeiten zu Hause. Man ist nett zueinander, das Publikum wird aufgefordert, sich ebenfalls zu entspannen, nicht "an den Kanzler" und "some serious shit going on the world" zu denken. Die Conferencen führen zielstrebig zum nächsten Lied und greifen außer Urslis etwas kruden Traum von Saddam Hussein in einer Berliner Badeanstalt keine problembehafteten Themen auf. Zur Harmonie gesellt sich die große Abendgarderobe: Für die Herren Frack und Zylinder, für das Fräulein ein weißes Ballkleid, verschwenderisch mit Spitze und Federn verziert. Im zweiten Teil präsentiert man sich in den Farben der Teletubbies und Fräulein Schneider im gelben Kleid kommentiert selbstkritisch: "Wir sind ganz schön in den Farbtopf gefallen." Die wie immer perfekt arrangierten Songs wurden wie immer in aller Welt gefunden und angereichert mit den typischen Pfister-Choreografien: Kitsch, der durch Präzision besticht und durch Albernheit zur Kunstform gerät. Es ist schön, es ist lustig, es ist perfekt. Das ist eine Menge. Doch bei so viel Schönheit und Harmonie stellt sich die Frage nach der Botschaft dieser aufwändigen Inszenierung. Und so drängt sich der Vergleich mit einer schillernden Seifenblase auf, die, bekanntlich am Ende immer zerplatzt. So ein Seifen-Opern-Schluss würde zwar zum Strickmuster der Pfister-Legenden passen, aber wünschen möchte man ihn nicht. |