Berliner Morgenpost 6.12.02
Die G'schwisterei sagt Good-byeAbschiedsgala: die Pfisters im Tipi Von Peter Zander Alles hat ein Ende, nur der Haider nicht. Oder? Ihr neues Programm "Have a Ball!" nennen die Geschwister Pfister eine "große Abschiedsgala". Und ein Raunen geht durch die Fangemeinde: das grandiose Schlager-, Schnulzen- und Schmusetrio, die Heilige Dreifaltigkeit der Kleinkunstbühnen, das texanisch-schwyzer-bulgarische Triumvirat - alles aus und vorbei? Schon ihr letztes Programm "On the run", immerhin knapp zwei Jahre her, war eine Art Rückzieher. Da haben sich die drei in den Bergen versteckt, weil sie der Ruhm verfolgte. Seither gab's gemeinsame Ausflüge ins Theaterfach wie "Therapie zwecklos" oder Solo-Abende wie Urslis "Ursula West". Aber keine klassischen Geschwistereien mehr. Also wirklich Divendämmerung? Anhaltendes Rätselraten bei der Premiere im platzvollen Tipi. Dann erst mal Entwarnung: Keine Andeutung eines "Ade". Stattdessen große Bühne in geschwungener Notenlinie, inklusive Notenschlüssel. Statt des üblichen Jo Roloff Trios eine ums Vierfache aufgestockte "JR Big Band". Große Show, irgendwo zwischen 40er-Jahre-Glamour, Las-Vegas-Show und der guten alten Samstagabend-Fernsehunterhaltung. Und dann die Pfisters: Ursli und Toni kokett im Frack mit Zylinder und Seidenschal, das Fräulein Schneider im mondänen Ballkleid. Als gingen sie heut' ins Maxim. Sie singen und swingen, tänzeln und frotzeln wieder auf Kitsch komm raus. Freilich nicht mehr ganz so frech und frisch, ein wenig glatt zuweilen, müde, ja uninspiriert. Wenn dann das Frl. Schneider "Tike tike tak" singt und die Bühnenbrüder sich dazu wie Uhrzeiger bewegen, drängt sich doch die Frage auf: Ist ihre Zeit abgelaufen? Nach der Pause schneien die Drei im schrillen Seventies-Outfit herein wie eine leibhaftige Ampelkoalition: in sattem Grün, grellem Gelb und samtenen Rot. Auch hier nur neue Songs, kein Potpourri, kein Medley, kein Best Of, kein nostalgisch-sentimentaler Rückblick. Bis erneut das Fräulein stöhnt, sie sei doch kein Lastkraftwagen, sie habe keine Lust mehr. Auch das wird noch mal weggestrahlt und weggesungen. Aber nach der zweiten Zusage fallen sie dann doch, die Worte von der "Abschiedstournee" und vom "unwiederbringlich letzten Abend". Es scheint ihnen, dem Fan zum Graus, also wirklich ernst damit zu sein. Wäre freilich schade, wenn dieser eher mittelprächtige Abend ihr Abgesang sein sollte. Dann müsste man sich wirklich fragen, ob ihr einst so hübscher Hedonismus sich überlebt hat. Aber vielleicht gibt's ja doch noch eine saftige Tschüß-und-Tschau-Show? Oder gar eine Sag-niemals-nie-Revue? |