Die Geschwister Pfister - The Great Space Swindle

Berliner Zeitung 31.10.1996

Schwindel und Wallungen im Weltall

Die Geschwister Pfister präsentieren im Blauen Zelt am Lützowplatz ein intergalaktisches Spektakel

Auf Erden haben sie in fünf Existenzjahren als Musik-Comedy-Formation rasch erreicht, was zu erreichen ist: ausverkaufte Häuser, treue Fans, Ruhm als Szene-Stars. Mit ihrer vierten Show "The Great Space Swindle" peilen die Geschwister Pfister den Himmel an. Das helvetisch-amerikanisch-bulgarische Vergnügungstrio um den schmalzigen Glamourboy Ursli Pfister, seinen sentimentalen Alm-Bruder Toni Pfister und das erdig-knödelig-bulgarische Fräulein Schneider, wagt den großen Sprung nach ganz oben, ins All.

In strenggeheimer Nasa-Mission sollen die Sanges- und Verwandlungskünstler "extraterrestrische Zivilisationen ausfindig machen und denen die Werte und Ideale amerikanischer Kultur auf angenehme, freudebringende Weise vermitteln." So jedenfalls geht die Legende. Und im Legendenbilden sind die Geschwister Pfister Spitze. Keine andere Gruppe im (Musik-)Comedy-Boom erspinnt derart maßgeschneiderte Alter ego und Phantasie-Geschichten. Christoph Marti (Ursli Pfister), Tobias Bonn (Toni Pfister) und Andreja Schneider (Fräulein Schneider) sind seit der Schmelze-Show "A Pure Joy" (1993) als Schwindel-erregendes Familienunternehmen verbandelt.

"The Great Space Swindle" steigt im 500-Plätze-Chapiteau im Blauen Zelt am Lützowplatz, eigens vom Sylter Meerkabarett ausgeliehen, koproduziert von den Bar-Impresarios Holger Klotzbach und Lutz Deisinger. "Nasa built special for our mission the Space Shuttle ,Bon Voyage 4'. With that wir starten durch zum Trillionen Lichtjahre far away Planet ,Alpha Hair'!" Viel mehr will Ursli Pfister, der seit seiner Shoo-Bedoo-Schulung im Coconut-Club von Las Vegas am liebsten amerikanisch kauderwelscht, noch nicht verraten. "Meinä Brieder habban Prroblämäh mit komischa kosmischa Strahllung", plaudert das Fräulein Schneider, in kunstfigürlichem Folklore-Sprech aus. Als intergalaktische Kulturbotschafterin trägt die in echt als Kroatin geborene "Bulgarin" ein enganliegendes Tutu, das ihre "big tits" und "long legs" hervorhebt. Wie gewohnt singen und swingen sich die überirdischen Musenkinder durch lustvoll-sentimentales Liedgut, u. a. von den Andrew- und Lennon- Sisters und den Beatles, versetzt mit einem guten Schuß deutscher (!) Fernsehchor-Romantik. Schweizer Heimatlieder runden das Repertoire ab - kamen die "Waisenknaben" Ursli und Toni der Legende nach doch aus Zermatt, bevor sie in Las Vegas auf Showbiz getrimmt wurden. Tatsächlich lernten sich Christoph Marti, gebürtiger Schweizer, und Tobias Bonn, in Mainz aufgewachsen, an der Schauspielschule Bern kennen. Nach verschiedenen Theaterrollen gründeten sie mit den inzwischen anders engagierten "Geschwistern" Lilian Naef (Lilo Pfister) und Max Gertsch (Willi Pfister) 1991 die Pfister-Urfamilie. Auf Bewährungsproben an der Freien Volksbühne und der Schaubühne folgte ihr Erfolgs-Erstling "Melodien fürs Gemüt" als Eröffnungsspektakel der Bar jeder Vernunft. Seitdem sorgt Pianist und Arrangeur Jo Roloff mit seinem Trio für den guten Ton. Auch für die Operetten-Klamotte "Das Weiße Rößl am Wolfgangsee", bei der Ideengeber Christoph Marti Regie führte und den Jungunternehmer Sigismund Sülzheimer gab. Jetzt liegt ganz Neues in der Luft, einem blauen Wunder gleich: Pfisters Vordringen zu außerirdischen Lebewesen. "Im Film ,Independence Day' fallen die kriegerisch über uns her. Warum sollen wir nicht friedlich zu ihnen gehen?!"

Von Erika Fraedrich



Stand: 26.12.2003
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