Die Geschwister Pfister - The Great Space Swindle

Hinnerk, 28.08.1997

Von den Schweizer Bergen hinauf zu den Sternen

Mit "The Great Space Swindle" haben die "Geschwister Pfister" den Sprung von der Kleinkunst ins Intergalaktische geschafft.

Nun also sind die "Geschwister Pfister" sogar bis ins tiefe Weltall vorgestoßen. Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat sie für ein Forschungsprojekt auf die Suche nach extraterrestrischem Leben, als universale Botschafter ihrer Kunst und "weil sie die Werte der amerikanischen Kultur auf so angenehme und freudvolle Art und Weise vermitteln" in die unendlichen Weiten geflogen.

Natürlich ist das alles erlogen, so perfekt geschwindelt, eben "The Great Swindle", wie fast alles in der ereignisreichen Biographie dieser musikalischen Geschwister-Truppe. Angeblich verbrachten die ursprünglich vier Zermatter Waisenkinder ihre Kindheit bei ihrem showfreudigen Onkel in Las Vegas und wurden zu musikalischen Wunderkindern herangezogen wurden. Zwei der Geschwister haben sich nach den ersten Tourneejahren durch deutsche und Schweizer Lande inzwischen zur Ehefrau in die USA bzw. auf die Almhütte in den Bergen zurückgezogen. Toni, der fesche, bodenständige Softie und Romantiker mit dem Schmelztenor, fand - gemeinsam mit seinem smarten, mit Brillantringen überladenen Bruder Ursli (Liberace läßt grüßen) - eine neue Dame ihres Herzens. Fündig wurden sie bei Fräulein Schneider, eine herzerfrischende, erdig-erotische Bulgarin mit immerzu breitem, süßen Lächeln und hochgeschnürtem drallen Busen. Sie radebrecht mit breitem Puszta-Akzent, während Toni sein charmantes Swytzerdütsch pflegt und Ursli im amerikanisch-deutschen Mischmasch kauderwelscht.

Die "Geschwister Pfister" auf der Bühne, das ist musikalisches Kabarett vom Feinsten; rasante A-Capella-Chorsätze, Shoo-Be-Doo-Be-Doo-Songs, die sich ohne Brüche mit Schunkel-Polkas, heimatlichen Bergmelodien, klassischem Swing und schräger Schlagerkost aus den letzten fünf Jahrzehnten mischen. Eine Entertainer-Truppe, die - erstklassig choreographiert - musikalischen Schmalz und Kitsch dank Parodie und gnadenloser Perfektion zu neuen Ehren bringen.

Traten sie anfangs noch mit edelweißen Hemden und Enzian am Hut auf, schlüpften sie für "March of Glory" als Wiedergeburten der Andrew-Sisters in Militäruniformen, um als "amerikanisch-bulgarisch-helevtische Armee im Kampf für eine gerechte und friedliche Unterhaltung" durch die Republik zu ziehen. Und für ihre neue Show steigen sie in Raumfahreranzüge und Stars-and-Stripes-Kostüme. Die Geschwister Pfister - ein Gesamtkunstwerk, bei dem nichts dem Zufall überlassen wird, bei dem vor allem Dichtung und Wahrheit bereits so sehr verschwimmen, daß manch Zuschauer und mach Journalist die Bühnenfiguren bereits für wahres Leben hielt. So ist Toni (Tobias Bonn) eigentlich nicht mit Frl. Schneider (Andreja Schneider) verheiratet, sondern lebt vielmehr mit Ursli (Christoph Marti) in trauter Zweisamkeit. Und wirklicher Schweizer ist eigentlich auch nur Marti. Daß seine Kunstfigur Ursli, die Eitelkeit in Person ("My hobby is Körperpflege"), Glamour-Model für eine Zigarettenfirma und für Schwulenmagazinen wurde, ist letztlich nur folgerichtig.

So folgerichtig wir ihr gemeinsamer Erfolg. Die Geschichte ihres Weltraumausflugs dient als roter Faden, an dem entlang sich neue Geschichten aus dem Leben der Pfisters erzählen und vor allem jede Menge schräge Sangesperlen singen lassen. Ob Howard Carpendale, Dolly Parton, Dean Martin, "Love is Like A Butterfly", Disneys "Snowwhite", Berliner Polka oder Schweizer Jodler: Die Pfisters machen daraus Easy Listening pur. Ein reines Vergnügen, das spätestens mit dieser Produktion der sogenannten Kleinkunst entwachsen ist - eben ins Intergalaktische. Axel Schock

Ab 17. September mittwochs bis sonntags im Blauen Zelt auf der Bismarckwiese, Helgoländer Allee.

Beginn jeweils um 20.30 Uhr, Einlaß und Restauration ab 19 Uhr. Vvk-Info unter Tel. (040)316000. Karten für 28-45 Mark.