Ursli Pfister ist der Star des Entertainer-Trios Die Geschwister Pfister: exzentrisch, exhibitionistisch und hinreißend tuntig. Christoph Marti dagegen, der Erfinder und Darsteller Ursli Pfisters, ist ein uneitler, gar nicht schräg gestylter, ernsthafter 38-Jähriger. Im Residenz Theater spielt Christoph Marti in "Prominentenball" von Georg Ringsgwandl eine Film- und Fernsehschauspielerin namens Uschi Stahl. Ringsgwandls neues Stück ist in der Münchner Society angesiedelt, der Autor inszenierte selbst die Uraufführung. Premiere ist heute um 19.30 Uhr.
AZ: Herr Marti, mit welchem Gefühl machen Sie nach 13 Jahren Showbiz wieder einen Abstecher ins Staatstheater?
CHRISTOPH MARTI: Anfangs hatte ich Angst. Meine Jahre am Berliner Schillertheater waren für mich keine glückliche Zeit. Aber ich wusste, dass mir so eine Rolle nicht nochmal angeboten wird.
Was reizt Sie daran?
Mir liegt das Exzentrische, die Übertreibung. Ich suche im Monströsen immer auch eine Restwärme, deshalb war das ein gefundenes Fressen. Und mich hat das Stück sofort überzeugt. Womit diese Leute sich beschäftigen, um welche Werte es ihnen geht, vermittelt sofort ein eindeutiges Bild. Man weiß, wer gemeint ist, wobei sich das nicht auf die Person des Promis reduziert.
Die Hauptakteure sind ein Sportarzt Mayer-Waldorf (Georg Ringsgwandl), ein Fußballer Manni Deus (Jörg Hube) und ein Hochstapler (Marcus Calvin). Wo steht Uschi Stahl?
Da sie nicht in die Machenschaften der anderen verwickelt ist, könnte man fragen, was sie in dem Stück verloren hat. Aber sie ist immer da, sehr zentral und gleichwertig.
Warum waren Sie als Anfänger in Berlin unglücklich?
Am Schillertheater gab es 165 Ensemble-Mitglieder, aber jede zweite Rolle wurde von einem Gast gespielt. Ich war auf dem verhängnisvollen Weg zur Kantinen-Leiche. Nach zwei Jahren bin ich gegangen.
Sie spielten dann als Gast an der Schaubühne und hatten den ersten Pfister-Auftritt bei Otto Sanders 50. Geburtstag.
Und weil da viele Kollegen waren, kamen eine Woche später bereits die ersten Anfragen.
Ihre letzte Show "Have a ball!" haben Sie als Abschiedsvorstellung angekündigt - im Ernst?
Nicht ganz, wir haben uns nur eine Auszeit genommen. Wir sind noch den ganzen April auf Tournee - auch vom 10. bis 12. 4. im Münchner Volkstheater - und wir bereiten für 2005 eine neue Show vor.
Werden die Pfisters auf der Bühne gemeinsam altern?
Ja, wir reden schon davon und wollen das frühzeitig thematisieren. Wenn man Erfolg hat, muss man aufpassen, nicht Opfer der Erwartungshaltung des Publikums zu werden.
Welchen Stellenwert hat für Sie das Prominent-Sein?
Mir liegt nichts daran. In Zeitschriften wie "Bunte" oder "Gala", die von Artikeln über Promis leben, erzählt alles nur "ich, ich, ich" und "schaut mich an". Nichts hat Bedeutung für einen selbst. Aber Prominent-Sein gehört nun mal zum Showbusiness. Entertainment ist für mich durchaus ein Thema. Aber ich beschäftige mich kritisch damit. Ich möchte frei und unabhängig sein und nicht dauernd gut und jung aussehen müssen. Die Liebe zum Showbiz ist da, aber der Schein trügt mich nicht mehr so.
Wie weit ist Christoph Marti Ursli Pfister und umgekehrt?
Der Hauptunterschied: Im Gegensatz zu Christoph ist Prominent-Sein für Ursli fast der einzige Lebensinhalt. Ich dagegen will mein Leben gestalten. Ich möchte wissen, wo die Grenze ist, ich will Normalität. Das hat Ursli nicht auf seinem Chip, der weiß gar nicht, wie man das buchstabiert. Ich bin froh, dass ich nicht Ursli bin.
Gabriella Lorenz
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