Man hat ja geübt vorher: "Guten Tag, Herr Marti. Grüß Gott, Herr Marti. Guten Tag, Herr Marti." - Und was sagt man dann? "Grüß Gott, Herr Pfister..."
Ist ja auch schwer. Schließlich hat der Schauspieler Christoph Marti jahrelang und mit großem Erfolg seine Identität hinter "Ursli Pfister" versteckt, dem glamourös glitzernden Star der Kabarett-Gruppe "Geschwister Pfister". Die hatten letztes Jahr ihre "Abschiedstournee" mit "Have a Ball" gegeben - und UrsIi/Christoph ist zurückgekehrt zu seinem erlernten Beruf (immerhin vier Jahre am Konservatorium von Bern) als Schauspieler und zum "richtigen" Theater. Übermorgen hat er im Residenztheater Premiere in Georg Ringsgwandls neuer Produktion "Prominentenball".
War die Abschiedsgala denn wirklich die letzte Produktion der Geschwister Pfister?
"Nein. Wir haben das zwar Abschiedsgala genannt, weil das gerade gut zum Thema gepasst hat - aber die letzte war's bestimmt nicht. Wir nehmen uns nur ein Jahr Zeit - die nächste Produktion soll dann im Mai nächsten Jahres herauskommen."
Und was treiben die anderen beiden "Pfisters" inzwischen?
"Fräulein Schneider spielt im Berliner Hebbel-Theater (in einer Theaterproduktion der Wilder-Filmkomödie "Eins, zwei, drei", d. Red.), und Tobi ist in Berlin und genießt wahrscheinlich die Ruhe, wenn ich nicht da bin..."
Als alter Geschwister-Pfister-Fan hätte ich ja geschworen, dass Ursli strahlend blitzblaue Augen hat. Christoph allerdings hat graugrüne. Sind's Kontaktlinsen - oder ist die Blauäugigkeit gespielt?
Christoph lacht: "Ich hab tatsächlich einmal Kontaktlinsen ausprobiert, aber das konnte ich gar nicht aushalten. Nein: Das ist alles gespielt."
Wie unterscheiden sich denn Ursli und Christoph voneinander?
"Ich glaube, so einer wie Ursli wäre im richtigen Leben überhaupt nicht zu ertragen. Ursli will überhaupt keine Nähe, der möchte im Zentrum des Universums stehen und nimmt die anderen gar nicht wahr.
Ich dagegen bin wahnsinnig treu; ich brauche Nähe, gute Freunde und echte Gefühle. Ursli äußert zwar auch große Gefühle, aber die sind bestenfalls Sentimentalität, also bloß gespielte Gefühle - und wenn man keine Gefühle hat, hat man auch nichts erlebt."
Ursli Pfister liest wahrscheinlich gar nichts oder bestenfalls "Vogue". Was liest Christoph Marti?
"So ziemlich kreuz und quer. Was ich gerade lese, war eine Empfehlung von Elke Heidenreich: ,Das Herz ist ein einsamer Jäger' von Carson McCullers."
In Georg Ringsgwandls "Prominentenball" spielt Christoph Marti "eine bekannte Münchner Film- und Fernsehschauspielerin namens Uschi Stahl". Kommt uns irgendwie bekannt vor...
"Natürlich ist die Ähnlichkeit gewollt. Es geht uns aber nicht um die Biografie, sondern um das Phänomen. Um diese ganzen Leute im Rampenlicht und die Zwänge, unter denen sie stehen."
Da gehören Sie natürlich auch selbst dazu...
"Klar. Ich liebe ja meinen Beruf sehr - aber gelegentlich ist das so geisteskrank, was wir da treiben. Mein Glück ist, dass ich damit spielen kann."
Als Nächstes wird Christoph Marti in seiner Heimatstadt Bern in dem Musical "Hello Dolly" spielen - als Dolly natürlich. Und was wäre die Traumrolle?
"Wie heißt die, die Jutta Lampe in der ,Möwe' spielt?"
Arkadina?
"Genau. Das war toll. Aber bis dahin hab ich ja noch ein paar Jahre Zeit."
Schon mal als Kalender-Notiz für alle Pfister-Fans: "Have a Ball" wird am 10., 11. und 12. April im Volkstheater gespielt, Karten untere 5234655.
ROLF MAY
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