Stadt Theater Bern, Nr. 2"Bern tut gut!" - Cristoph Marti (alias Ursli Pfister) kehrt als Dolly zurück nach Bern |
"It's so nice to be back home, where I belong", diese Zeilen aus dem Titelsong von "Hello, Dolly!" bekommen für Christoph Marti eine geradezu private Bedeutung. "Bern tut gut!", sagt er, und wie schön es für ihn sei, auf der Bühne des Stadttheaters zu stehen, noch dazu in seiner Traumrolle. Dass es dazu kam, ist eine Geschichte, die das Leben schrieb und darin spielen Tobias Bonn, Gerd Wameling und auch Regisseur Stefan Huber eine tragende Rolle.Um es gleich vorweg zu sagen: als "Ursli und Toni Pfister" möchten Christoph Marti und Tobias Bonn diesmal nicht bezeichnet werden, auch wenn die Geschichte der "Geschwister Pfister" für die neue "Hello, Dolly!" Produktion eine grosse Rolle spielt. Die Pfisters machen vorläufig Pause. Die Rollen haben sie gegen andere eingetauscht: Tobias Bonn spielt am Stadttheater Cornelius Hackl und Christoph Marti die Dolly. Dolly? Ja, natürlich, was sonst? Es ist keineswegs seine erste Frauenrolle, Marti brillierte bereits als Doppelgänger von Uschi Glas, als Gloria von Thurn und Taxis und als fiktive Country Diva Ursula West, um nur einige zu nennen. Die Dolly aber ist ein Höhepunkt seiner bisherigen Karriere und gleichzeitig eine Rückkehr an den Ort, wo alles seinen Anfang nahm: Bern. Drehen wir das Rad der Zeit zurück: Wir schreiben das Jahr 1978. "Geh mal da hin. Das könnte dir gefallen", sagte Mutter Marti zu ihrem Sohn Christoph und gab ihm eine Karte für "My Fair Lady" im Stadttheater. Christoph Marti war hingerissen. Die Leidenschaft für das Theater hat ihn seither nicht mehr losgelassen. Drei Jahre später war er Schüler der Berner Schauspielschule 1230. Befreundet war er damals schon mit Stefan Huber, der nebenan an der Hochschule für Musik und Theater studierte, und so entschloss sich Marti zwei Jahre später, ebenfalls dort die Aufnahmeprüfung zu versuchen. Er wurde aufgenommen, und nicht nur er: Tobias Bonn begann im selben Jahrgang dort sein Studium, und es entstand eine bis heute andauernde künstlerische Partnerschaft. Als Stefan Huber unter dem Titel "Hot Cats" ein Hochschulprojekt inszenierte, spielten nicht nur Marti und Bonn, sondern auch Lilian Naef und Max Gertsch. Die Ur-Besetzung der "Geschwister Pfister" hatte sich gefunden. Hätte Stefan Huber damals nicht "Hot Cats" inszeniert, wer weiss, ob es die "Geschwister Pfister" je gegeben hätte? Christoph Marti und Tobias Bonn führten zunächst ein ganz normales Schaupielerleben, mit festen Engagements und wechselnden Stückverträgen hier und da. Marti wurde für eine Off-Produktion an die legendäre Berliner Schaubühne von Peter Stein verpflichtet, damals das berühmteste deutschsprachige Theater. Dabei wäre es vielleicht auch geblieben, wenn nicht plötzlich für die grosse "Wintermärchen" Inszenierung von Luc Bondy kleinere Rollen zu besetzen gewesen wären und sich nicht einer der Hauptdarsteller an die jungen Kollegen von nebenan erinnert hätte - Gerd Wameling. Wameling gehörte zur Kerntruppe des Regisseurs Peter Stein und war schon damals einer der bekanntesten Bühnenschauspieler Deutschlands. Fast 20 Jahre lang gehörte er zum Ensemble der Schaubühne, spielte dort in den berühmt gewordenen Botho Strauss Uraufführungen und, viel später, über 300 Mal die Komödie "Kunst" von Yasmina Reza. Der arrivierte und der junge Kollege standen nun zusammen in Shakespeares "Wintermärchen" auf der Bühne und wurden Freunde. Dann kam der 1. Juli 1991. Otto Sanders 50. Geburtstag, eine grosse Party für geladene Gäste. Künstlerisches Programm für den Kollegen musste her, Gerd Wameling erinnerte sich, dass seine Freunde gerade zusammen mit Lilian Naef und Max Gertsch an ihrem ersten Schlagerprogramm arbeiteten. Gemeinsam mit ihnen studierte er "The Rose" von Rette Middler ein. Im Publikum sass "tout Berlin", das die frischgebackenen "Geschwister Pfister" frenetisch feierte. Von nun an gab es kein Halten mehr, es hagelte Anfragen und Angebote, zu Gast bei Biolek im Fernsehen, bei Romy Haag, und, und, und... Die anschliessende Tournee führte auch nach Bern ins Schlachthaus, und Gerd Wamelings Auftritt blieb Teil des Programms. Seinen verrücktesten Auftritt nennt Wameling das. Für den grossen Schaubühnen Künstler war es eine völlig neue Herausforderung, quasi privat, ohne den Schutz einer Rolle, einfach so Schlager zu singen. Aber der Funke war übergesprungen und das nächste gemeinsame Projekt nur eine Frage der Zeit. 1994 brachten die Pfisters "Im Weissen Rössl" in der Berliner "Bar jeder Vernunft" heraus und läuteten eine völlig neue Rezeptionsgeschichte der Benatzky Operette ein: im kleinen Raum, mit ein paar Instrumenten, dafür mit viel Herz und Charme und Star-Power. Neben Gerd Wameling und den "Geschwistern Pfister" spielten Otto Sander, Meret Becker und Max Raabe. Inszeniert hat den Abend Christoph Marti. Die Aufführung geniesst heute Kult-Charakter, denn sie fand nur dort statt und sonst nirgends. Gerd Wameling wartete schon gespannt darauf, was seine Freunde sich als nächstes ausdenken würden. Die Idee mit "Hello, Dolly!" hatten Christoph Marti und Tobias Bonn schon länger, aber ein Broadway Musical würde natürlich viel schwieriger zu realisieren sein als "Rössl". Es brauchte also als Bindeglied zum Stadttheater Bern den Regisseur Stefan Huber, der hier bereits zahlreiche Musicals erfolgreich inszenierte, und die Situation einer neuen Schauspieldirektion, damit die drei Künstler Marti, Bonn, Wameling zugriffen. Ein Glück für Bern und ein Glück für Christoph Marti. Wer sind denn eigentlich seine Rollen Vorbilder für die Titelfigur? Barbara Streisand? Marika Rökk? Marti nennt zwei Künstlerinnen, die eben keine Dolly Darstellerinnen waren: die Hollywood Diva Rosalind Russell und die Schweizer Schauspielerin Margrit Rainer. Besonders wehmütig wird Marti wenn er am Fuss der Showtreppe vom Oberkellner des Restaurants Harmonia Garden, Klaus Degenhardt, begrüsst wird. Diesen Schauspieler verehrt er seit seiner Jugend. |