Gay Agenda, Oktober 2004

Mein Berlin - Christoph Marti

Christoph Marti, 39, besser bekannt als Ursli Pfister, ist im Brückfeld geboren und aufgewachsen. Vor 16 Jahren ist er nach Berlin gezogen und eroberte von dort aus die Welt mit den Geschwister Pfister. Jetzt kommt er wieder nach Bern um mit seinem Lebenspartner Tobias Bonn im Stadtheater das Musical "Hello Dolly" zu spielen.

Das Spezielle an Bern: die schönen alten Häuser, die Lage, die Aare mit ihrem Geruch und dem Geräusch der Steine unter Wasser, die Brunnen, ganz besonders der von Meret Oppenheim! Bern ist die schönste Stadt der Welt. Hat Herr Tschäppät gesagt, nicht der jetzt, sondern der Richtige, der früher Stadtpräsident gewesen ist. Ich bin exakt seiner Meinung. Gut, ich habe die Welt nicht gesehen und kann es so nicht ganz beurteilen. Wenn ich aber zum Beispiel mit dem blauen Bähnli von Worb Richtung Stadt über die Kirchenfeldbrücke fahre und auf einmal die Silhouette der Stadt auftaucht, verschlägt es mir jedesmal den Atem. Und das ist wirklich nur ein Beispiel von ganz vielen für die unglaubliche Schönheit der Stadt.

Lieblingsrestaurant: Ich gehe bei jedem Bern-Besuch einmal ins Harmonie ein Cordon Bleu essen, und zwar mittags, dann ist es noch nicht so schick und man kann die Leute beobachten, die schon viele viele Jahre dort zu Mittag essen, das gefällt mir. Das Zimmermania hab ich auch gern, wegen dem schönen Raum. Es ist unter neuer Führung, hab ich gehört - ich war noch nicht da. Hoffentlich wird es nicht zu schick. Das alltägliche ist mir lieber.

Shopping: mein Geld gebe ich am liebsten für DVDs, CDs und Bücher aus, bei Jäggi, Jecklin, Stauffacher. Vorallem bei DVDs kann ich mich nicht zurückhalten. Ich finde das wunderbar, dass es jetzt all die Filme in so guter Qualität und vorallem in der Originalfassung zu kaufen gibt. Spezialtipp für Bern Besucher: frühmorgens an der Aare zuschauen, wie die ersten Sonnenstrahlen durch den Bogen der Kornhausbrücke fallen... wow! Anschliessend auf der Bellevue Terasse ein Birchermüesli vom Frühstücksbuffet genießen, und danach gleich ins Marzili und den Rest des Tages dort auf der Wiese liegend verbringen. Solang, bis der Mann sagt "Achtung, werti Badegescht, es isch Zyt dass Dir nech aleget". Früher gabs noch "Achtung, es isch sächsi, sämtlechi Ching wo nid i Begleitig vo Erwachsene sy, müesse sech itz alege u ds Bad verla". Das hat sich leider nicht gehalten.

Lieblingsquartier: Die Lorraine, weil ich dort meine erste eigene Wohnung hatte, direkt unter der Eisenbahnbrücke, und von dieser Wohnung träume ich manchmal heute noch. Aber dann mag ich auch das Brückfeld sehr gerne, weil ich dort ja aufgewachsen bin, in dem Haus, indem meine Eltern heute noch wohnen. Es ist alles noch da. Das ist schon toll.

Wenn ich eine Berner Sehenswürdigkeit wäre, dann wäre ich der Christoffel Turm, den sie (1860?) abgerissen haben.

Ich wünsche mir von Bern, dass es sich seiner Schönheit noch viel mehr bewusst wird, sich Sorge trägt und sich bloss nicht irritieren lässt von den Spöttern, die sagen, Bern habe den Anschluss verpasst. Warum auch. Und wer weiss, vielleicht kommt einmal ein reicher Sponsor (ein richtig reicher!) und sagt: hier ist die Kohle, wir bauen den Christoffel Turm wieder auf.