Der Bund, 12 Oktober 2004Ursli Pfisters Triumph als Dolly Levi |
Jerry Hermans Erfolgs-Musical "Hello, Dolly" zum dritten Mal im Stadttheater Bern
MARTIN ETTER
Vorzügliche Hilfskräfte Offensichtlich hat sich Stefan Huber zu einem Meister der musikalischen Komödie entwickelt - und Bern darf sich glücklich schätzen, ihn zu seinen Hausregisseuren zählen zu können. Nicht minder harmonisch fügen sich die von Markus Bühlmann verantworteten choreografischen Einschübe in das Ganze ein: Die Tänzer des Stadttheater Bern Balletts wirbeln virtuos und geradezu zirkusreif über die Bühne und lassen keine toten Stellen aufkommen. Vorzügliches leisten auch die beigezogenen Ensemble-Mitglieder und der von Lech-Rudolf Gorywoda instruierte Chor.
Und die Besetzung Als Heiratsvermittlerin Dolly Levi ist Christoph Marti alias Ursli Pfister ganz einfach eine Wucht. Er bewegt sich überaus feminin, wirkt herrlich sexy, singt durchwegs hochmusikalisch und versprüht eine Nuancenfülle, die immer wieder begeistert und zu Applaussalven animiert - ein faszinierendes Wesen zwischen Mann und Frau und ein Künstler mit offenbar unendlich variierbaren Ausdrucksmöglichkeiten. Gerd Wameling, von Theater- und Fernsehauftritten in Deutschland her wohl bekannt und beliebt, leiht dem Hagestolz Horace Vandergelder Typenechtheit und darstellerische Durchschlagskraft, Tobias Bonn dem sich einen lux in der Grossstadt gestattenden Cornelius Hackl Lockerheit und feine Zwischentöne, Martin Schick Charme und lebhafte Mimik, Silvia Maria Jung der Irene Molloy stimmlich und schauspielerisch Format, Andrea Pfenninger der Minnie aparte Backfischlieblichkeit, das Paar Thomas Mathys und Fabienne Biever die geforderte Teenager-Unsicherheit, Klaus Degenhardt seinen Aufgaben sein souveränes Können und Grazia Pergoletti ihren Rollen zwerchfellerschütternde Brüllorgien. Am Pult des wohl gelaunten Berner Symphonie-Orchesters sorgt Michael Frei für Lyrik wie für Dramatik bei bisweilen leicht überzogener Lautstärke. |