Klassik.com, 20.11.2007

"Es muss was Wunderbares sein..."
Benatzky-Gala mit den Geschwistern Pfister in Wien

Kritik von Dr. Kevin Clarke
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und wenn man dann auch noch eine absolute Traumbesetzung wie die Geschwister Pfister aufbieten kann, die bis in den kleinsten Wimpernaufschlag verstehen, wie man Operette richtig präsentiert, dann kommt dabei so ein Glücksfall heraus wie am Sonntagabend in der Volksoper, vom Publikum mit stürmischem Beifall und standing ovations belohnt.
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Textverständlichkeit und Textausdeutung
Doch die eigentliche Sensation waren die Geschwister Pfister: Fräulein Schneider und Toni (ohne Ursli). Vom ersten Moment an, wie sie auf die Bühne kamen und ein Chanson präsentierten war klar, dass sie ideale Benatzky-Interpreten sind. Nicht nur das: als erfahrene Showfachleute wissen sie auch, wie man diese Musik und diese Texte als Gesamtkunstwerk bringen muss, wobei jede Handbewegung sitzt und jeder Tanzschritt stimmt. Mit ihrem Auftritt gaben die Pfisters dem Hausensemble eine Lektion in Operetten-Aufführungspraxis, die diese wirklich dringend befolgen sollten. Denn ein Lied wie beispielsweise "Ich muss wieder einmal in Grinzing sein", funktioniert als missverstandene Grals-Erzählung (wie es Thomas Sigwald singt) nicht. Es verliert jeden Witz und seine Überzeugungskraft, wenn man es opernhaft "stemmt". Aber auch die übrigen (an sich sehr guten!) Sänger könnten sich in Punkto Textverständlichkeit und Textausdeutung von den Pfisters eine Scheibe abschneiden: denn wenn man von Benatzkys sprachlich raffinierten Chansons wie "Die billige Annette" und "Der Klopfgeist" nur jedes dritte Wort versteht, dann ist das zu wenig.

So waren die Höhepunkte - neben den Wienerliedern von Minich - die Pfister-Episoden: Frl. Schneiders als echtes Kabinettstück vorgetragenes "Schwipslied" und Tonis tragikomisches "Heimat" (aus Benatzky Zyklus der Schweizerlieder, mit dem er 1939 versuchte, die Schweizer Staatsbürgerschaft schneller zu erlangen, erfolglos übrigens). Doch die absoluten Showstopper waren für mich Ausschnitte aus der Zarah-Leander-Operette "Axel an der Himmelstür" mit den Pfisters, wobei besonders Toni Pfister mit dem einstmals für Max Hansen geschriebenen Jodellied "ln Holly-holly-hollywood" bewies, dass er der legitime Erbe dieses Ausnahmeinterpreten der 1930er Jahre ist. Es wäre der Volksoper - und jedem anderen Theater - zu wünschen, mit diesen beiden Sängern einmal die ganze grandiose Operette zu spielen: Toni und das Fräulein sind die Idealbesetzung für die Hansen/Leander-Rollen. Das unterstrich Frl. Schneider am Ende des Abends nochmals, als sie Zarahs berühmtes "Yes, Sir" als schlichtweg überwältigende Shownummer mit Federn im Haar und Schlitz im Kleid brachte. Atemberaubend!
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In jedem Fall ist ihr sehr zu wünschen, dass sie unter der neuen Direktion von Robert Meyer die Geschwister Pfister noch oft zurückholt. Vielleicht auch für einen Workshop mit dem Hausensemble? Denn die Pfisters entkräften (endlich) auch in Wien Marcel Prawys lange unumstößliches Dogma, Operette gehöre an Opernhäusern mit allerersten Opernkräften aufgeführt. Nein, sie gehört von allem von echten Showfachleuten aufgeführt, auch an der Volksoper - und für alle Bewohner außerhalb Wiens bitte auch auf DVD und CD.
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