Von Daniel Wagner
Von kleinen Cafes, einer Liebe im Schnee oder drei Musketieren war an diesem Abend die Rede. Von Zarah Leanders Dekollete, avantgardistischen Tangotänzern im Dirndl oder Greta Garbos Vorliebe für den Oberhollabrunner Dialekt. Was dieser Ralph Benatzky doch alles zu bieten hat. Den Rätselnden mögen drei Worte als Stütze dienen: "Im - weißen - Rössl".
Aber Halt: Den Operetten-Exorzisten unter uns sei zur Sensibilisierung die Galaserie in der Volksoper anlässlich seines 50. Todestages wärmstens empfohlen. Christoph Wagner-Trenkwitz führte gewitzt durch das Programm und machte mit Benatzky-Werken von "Axel an der Himmelstür" bis "Adieu Mimi" bekannt.
Gemeinsam mit Kollegen wie Hans Weigel oder Karl Farkas schuf Benatzky Legionen von silbernen Operetten, die man heute nur mehr fragmentarisch kennt. "Ach, Luise" oder "Es muß was Wunderbares sein" waren die Hits, zu denen nicht nur die Wienerstadt der 1930er-Jahre mitsummte.
Dank der diskreten Angehensweise von Alfred Eschwe und des Volksopernorchesters wurde gegenwärtig deutlich, dass bei dieser Musik nicht nur Sentiment regiert. Engagiert schufen Hauskünstler von Birgid Steinberger über Mathias Hausmann zu Johanna Arrouas, bewaffnet mit Federhut, Florett und Spazierstock, Momentaufnahmen zu einem überreichen Oeuvre.
Mit von der Partie waren der Kern der "Geschwister Pfister". Toni Pfister und Fräulein Schneider zeigten einmal mehr, dass Operette etwas wirklich Aktuelles sein kann.
Neben quirligen Ensembleszenen erlebte man (mit Hauskorrepetitor Béla Fischer am Klavier) genauso die Einsamkeit eines ungewollten Emigranten oder kabarettistische Szenen einer Ehe. Immerhin 1500 (!) Lieder schuf Benatzky für seine erste Frau, die Chansonette Josma Selim. Trotz aller Ernüchterung wurde ein Moment herzzerreißender Sentimentalität zum Höhepunkt des Abends. Mit "Draußen in Schönbrunn" und "Ich weiß auf der Wieden" führte der Gastauftritt von Publikumsliebling Peter Minich zu minutenlangen Ovationen.
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