von mangiapia
Ralph Benatzky (*5. Juni 1884 in Mährisch Budwitz; +16. Oktober 1957 in Zürich) begeisterte seiner Zeit mit zahlreichen Chansons, Operetten und Bühnenwerken. So schrieb er bspw. "Axel an der Himmelstür" für Zarah Leander oder die Revueoperette "Im weißen Rössl".
Heute Abend will man sein Lebenswerk würdigen und - Kompliment! - diesmal übertrifft man sich in der Volksoper selbst.
Man könnte meinen hier verfiele man der Nostalgie, was allerdings eine gewisse Sehnsucht implizieren würde, von der hingegen keine Spur zu fühlen ist. Unter der Leitung von Christoph Wagner-Trenkwitz (Konzeption und Präsentation) und Alfred Eschwé (Musikalische Leitung) lassen Johanna Arrouas, Stefan Cerny, Béla Fischer, Mathias Hausmann, Natalie Karl, Peter Minich, die Geschwister Pfister, Thomas Sigwald und Birgid Steinberger keine Wünsche offen und schlagen die Zuschauer in ihren Bann um sie in längst vergangene Zeiten eintauchen zu lassen.
(Anm.: Ich langweile ungern mit Namen aber hier verdient jeder einzelne seine Nennung.)
Dabei beweist ein jeder Akteur so viel Professionalität, Einsatz und Charakter, dass das Spektakel in seiner Vollkommenheit nicht nur authentisch, sondern nahezu berauschend wirkt.
Wunderschöne Texte des Meisters, grandiose Inszenierungen (Anm.: vom Kostüm bis zum begleitenden Spiel) und phänomenale Stimmleistungen verbreiten ein wohliges Gefühl zwischen den Gästen, unter denen sich auch Alfons Haider, Ursula Stenzel und Senta Wengraf befinden.
Und wo ich gerade schon glaube es kann gar nicht mehr besser werden, fällt mir etwas Grandioses auf. Die Volksoper hat es tatsächlich auf die Reihe bekommen. Das übliche Akustikproblem ist heute gar kein Problem! Das Orchester auf der Bühne übertönt nicht, wie sonst, die Stimmen und spielt dennoch mit einer inbrünstigen Leidenschaft und Liebe zum Detail wie man sie selten erleben darf. (Anm.: Keine einzige Kakophonie habe ich vernommen, brav so!)
Toni Pfister und Fräulein Schneider von den Geschwistern Pfister, die ich vorab zu einem lnterview treffen durfte, kündigten an, sie könnten eigentlich nicht wirklich mit den großen Sängern mithalten. Nun, ich darf sagen, dies kann ich kaum bestätigen. Die beiden Cabaretkünstler aus Berlin trugen damals mit ihrer Kitschinszenierung von Benatzkys "Im weißen Rössl" zu einem Operettenrevival bei und auch heute leisten sie einen nicht zu verachtenden Beitrag für die Huldigung des Multitalents.
Fräulein Schneider überzeugt neben ihrer stimmlichen Gabe, mit erfrischendem Witz, welcher schnell zum Lauffeuer wird. Keine plumpen, pseudo-zeitgemäßen Adaptierungen wie man sie anderorts antrifft, sondern Humor und Schmäh aus vergangenen Tagen, der aber sicher nicht minder belustigend ist. Diese gewisse Keckheit, das Kokettieren und der Charme der 30er und 40er Jahre bieten einen harmonischen Rahmen für ein schillerndes Spektakel.
Als schließlich noch Peter Minich auftritt, wird es freilich etwas nostalgisch, zumal der Gute nun wirklich nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Dennoch berührt der Auftritt des in die Jahre gekommenen Kammersängers und führt zwangsläufig zu Standing ovations.
Aber auch gen Ende des Liederabends freut man sich sichtlich und so darf ich Ihnen gern die folgenden Termine ans Herz legen:
23. und 29. November, sowie 02., 04. und 17. Dezember.
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