Berliner Morgenpost, 16. Mai 2009Die Geschwister Pfister gehen in "Die Klinik" |
Von Manuel BrugWarum soll den Geschwistern Pfister verwehrt bleiben, was sich andere Promis längst regelmäßig gönnen? Ein Rehabilitationsaufenthalt in einem schicken Sanatorium! - Doch so praktisch wie schlagzeilensüchtig diese zwar fiktive, aber uns in 17 Jahren fast real an Herz gewachsene schweizerisch-amerikanisch-bulgarische Kleinfamilie ist, gründen sie doch gleich selbst eine "Clinic" - und machen diese zum lose gestrickten Thema ihres nunmehr achten Easy-Listening-de-Luxe-Programms. Unter der bewährten Klangschirmherrschaft des Jo Roloff Trio (diesmal teilweise in Pink) wurde bereits in Zürich an der Premiere gefeilt, so dass die trauliche Berliner Erstaufführungsfamilie im Tipi einen wunderbar ausbalancierten Abend ohne Ecken und Kanten erlebte, ohne Durchhänger und Überlänge. Perfekte Schmuse- und Glamour-Therapie eben! Im KlinikKaminzimmer stellen sich die drei nach bewährt eigensinniger Methode arbeitenden Pfisters vor: Der langhaarig gewordene Toni ist der an Peter Sellers erinnernde spirituelle Anstaltsguru, Fräulein Schneider gibt uns die Prozac- und Balkan-Anneliese Rothenberger im geblümten Feuerabendrock und der Aspirin aus dem Salatschälchen verteilende Ursli im Türkisfummel ist wieder die maliziöse "Bad Bitch" zwischen Norma Desmond und sehr später Zarah Leander. Nach diversen Therapie-zwecklos-Tipps samt VIP-Verhöhnung unter beständigem Absingen von Laurie Anderson über die Beatles, Charlie Chaplin sowie Simon & Garfunkel reichenden Liedguts, muss sich das nach der Pause spektakulär steigern. Tut es! Nach der Schlager-Rutschbahn mit Berühmtheiten, die fast alle seelisch auf dem Weg zum Dixiklo sind, folgt ein Maskenball - mit Toni als Panzerknacker, Fräulein als Hotzenplotz und Ursli als Marie Antoinette. Bis zur final-fröhlichen "Kirmes in Tschen'stochau" und einem türkischen Balzgesang sind die drei noch als allerliebster Pudel (Toni), Sexkitten (Fräulein) und geiler Lederfaun (Ursli, natürlich) zu erleben. Dabei wird, anders als beim letzten Programm "Home, sweet home", weniger geredet und kaum aufeinander eingehackt. Die mit vielen Gemütsaufhellern offenbar ihre Patienten wie sich selbst erheiternden Geschwister sind nett zueinander und liefern beängstigend souveräne, dabei hinreißend charaktervolle Singnummern, die den schmalen Grat zwischen schizophrener Kunstfigur und perfektem Dreigesang wahren, dabei nie in die Schnulzendepression abstürzen. Unbedingt rezeptpflichtig und als Vorsorgemaßnahme wärmsten empfohlen. |