Berliner Zeitung, 15. Mai 2009

Aspirin ist mein Gemüse
Unterhaltung vom Feinsten:
Die GeschwisterPfister in der Klinik

VON MAIKE SCHULTZ

"Nosce te ipsum" steht auf dem Vorhang, der das Premierenpublikum am Mittwochabend von der Bühne des Tipis trennt. „Erkenne dich selbst.“ Drei Jahre nach der Premiere ihres letzten Programms „Horne, Sweet Home!“ haben die Geschwister Pfister eine Weilness-Entzugsklinjc eröffnet und plaudern die Wehwehchen ihrer Promipatienten aus: Monika Ferres bekommt eine Mitgefühltherapie, Iris Bourbon muss Kakteen umarmen.

Sie leidet unter Burn Out, weil sie sich zu Sehr für Israel engagiert hat.

Zum Sound der ‘Musiktherapeuten“ vom Jo Roloff Terzett singen der schwizerdütschelnde KlinildeiterToni Pfister (Tobias Bonn), seine Osteuropäische Gattin Fräulein (Andreja) Schneider und sein Bruder Ursli (Christoph Marti) eine wilde Mischung aus Swing, Nina Simone und Charly Chaplin; neben dem türkjsen Glitzerkostüm von Las-Vegas-Diva Ursli würde jede Betty-Ford-Patientin verblassen. Die immer wieder ironisch aufgebrochenen Camp-Attitilde und ihr Wortwitz machen die Drei so brillant —da braucht es eigentlich gar keine seltsamen Klinikkulissen (Kamingrill und ein dekorativer Riesenfisch).

Doch was man in dieser Anstalt alles erleben kann! Zum Kostümfest gibt es Aspirinsnacks für alle. Als Hotzenplotz, Panzerkjacker und Marie-Antoinette verkleidet, genehmigen sich die Pfisters zum frisch gezapften Doppelherz eine bulgarische Spezialität: Fräulein

Schneider brutzelt ein achtbeiniges Spinnenschwein, immerhin kommt ein Stargast, äh, die schwer traumatisierte Patientin Cora Frost vorbei und singt ihre Krankengeschichte.

Dem Applaus nach muss die Selbsterkenntnis riesig gewesen sein.